Entdeckt (1): Luna play – Chance verspielt

„Luna play“, ein Magazin für „kleine und große Spielkinder“, liest sich mal wie „Neon“, mal wie eine gedruckte „Galileo“-Ausgabe. An anderen Stellen fragt sich der Käufer, ob er gerade 6,80 Euro für einen Spielwarenprospekt ausgegeben hat. Und dann ist da noch der 3D-Bagger auf der Titelseite.

Lunaplay-klein

Ob Deutschland ein Magazin rund ums Spielen braucht, sei mal dahingestellt. Jetzt gibt es eben eins. Eins, dessen Produktion in jedem Redakteur wieder das innere Spielkind geweckt haben soll. Dieser Umstand könnte so manchen seltsamen Heftinhalt erklären.

Vielleicht hat ein Redakteur ja zur Chefin gesagt: „Wie wär’s mit einem gelben Bagger als Cover?“ Und die hat geantwortet: „Klar, aber wenn in 3D. Und ohne, dass wir ihn im Heft mit einer einzigen Zeile erwähnen.“ Und vielleicht hat die Redaktion auch einmal die Lego-Steine aus dem Konferenzraum geschmissen, weil sie plötzlich eine total witzige Idee hatte: Nämlich die, kleine Kinder in Superhelden-Kostüme zu stecken und zu fotografieren. Fürs neue Heft, für die Seiten 8 bis 11. Dann sind die schon mal voll.

Man weiß es nicht. Also zurück zu den Fakten: Luna play besteht aus sechs Ressorts, „Erleben“, „Entdecken“, „Bauen“, „Bewegen“, „Sammeln“ und „Gewinnen“. So geht es mal um ein Lego-Online-Spiel, mal um Modellflieger und mal um einen Kölner Oldtimersammler. Dazu gibt es Brettspieltipps, Weltgeschichts-Zitate rund ums Spielen und ein paar Bildgeschichten.

Ach echt? Die Opas spielen jetzt Wii?

Einige Ideen wirken unverbraucht („Spielzeug aus Afrika“), andere Artikel dürften selbst in der hinterwäldlerischsten Lokalzeitung gestanden haben (Senioren, die im Altersheim „Wii“ spielen). Für ein monothematisches Magazin ist die Mischung aber gelungen. Stilistisch erinnert Luna play stark an Junggebliebenen-Zeitschriften wie „Neon“.

Eine der größten Geschichten der Ausgabe ist das Duell zwischen einem Porsche 911 (im Leerlauf) und einem Bobby-Car. Ein Rennen, das einer „Galileo“-Folge entsprungen sein könnte. Dort gäbe es aber wenigstens ein Video dazu. Im Print wirkt das Rennen noch unspektakulärer, als es sich anhört. Es gewinnt natürlich das schwächere Gefährt. Nach elf Zeilen ist das klar.

Auch eine weitere aufwändigere Geschichte, der Praxis-Test einer iPhone-Variante von „Scotland Yard , scheitert an den Grenzen des Mediums. So ein Selbstversuch schreit nach bewegten Bildern, nicht nach einer langweiligen Fotostrecke.

Feuerwerk spielen mit der Haarspraydose

Spannender als die meisten Berichte sind die Promi-Interviews, die immer wieder eingestreut werden. Matthias Opdenhövel erzählt von einem Mini-„Batmobil“, das jetzt seinen Söhnen gehört („Wer das kaputt macht, wird zur Adoption freigegeben“). Wladimir Kaminer verrät, dass er früher „Feuerwerk“ gespielt hat, „indem wir Haarspraydosen anzündeten und einander mit den Flammen begossen“. Leider sind die Gespräche viel zu kurz. Ruth Moschner werden zum Beispiel gerade mal vier Allerweltsfragen gestellt, etwa: „Frau Moschner, was bedeutet Ihnen Spielen?“

Auch die Lesetexte füllen – von den Bildgeschichten abgesehen – nie mehr als zwei Seiten. Bei einem Artikel über den Zauberwürfel wurde gar eine halbe Heftseite leer gelassen. Dabei wäre die Weißfläche an anderen Stellen besser aufgehoben gewesen: Zum Beispiel, wenn (scheinbar ohne Eindrücke einer Testfahrt) zweiseitig und bildgewaltig der neue „Chevrolet Camaro vorgestellt wird und der Text mit einem PR-Zitat des General-Motors-Vize endet. Oder wenn „tiptoi“ von Ravensburger als „Wundermaschine“ beschrieben wird. Hier liest sich das fast anzeigen-freie Heft wie ein Spielwarenprospekt.   

Luna play – ein Fazit

Was bleibt nach 100 Seiten Luna play? Zunächst die Erkenntnis, dass trotz des Slogans „für kleine und große Spielkinder“ vor allem erwachsene Männer angesprochen werden. Autos treffen auf Legosteine und ein iPhone-Spiel, daraus ergibt sich ein Heft zwischen Nostalgie, Spielzeug und Technik. Das braucht niemand so richtig, aber man blättert gern drin herum. Aber so ein Magazin kaufen? Eher nicht. Dafür ist Luna play zu schnell ausgelesen und mit 6,80 Euro zu teuer. Seine Chance hat das Heft bei mir verspielt. Aber eins würde ich gern noch wissen: Wieviel vom Heftpreis geht wohl für das 3D-Cover drauf?

 

Infos zum Heft

Luna play erscheint im „Luna Media“-Verlag. Es ist ein 2011 erstmals erschienenes Sonderheft des „Luna Magazins.

Der Muttertitel ist ein Mode- und Lifestylemagazin, das sich an Familien richtet. Er erscheint alle zwei Monate. Luna Media veröffentlicht weitere Titel wie „Mum“ und „Little Luna“.

Das hier beschriebene 100-seitige Sonderheft kostet 6,80 Euro. Die Druckauflage liegt nach Verlagsangaben bei 60.000 Exemplaren.

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