Entdeckt (4): Sooo süss – Neues aus der Kuschelwelt

Ein Kätzchen, das mit Wollknäulen spielt, ein Hamster, der aus dem Babyschuh linst, ein Häschen im Bälleparadies: Die Kinderzeitschrift „Sooo süss“ ist ein Streichelzoo-Ersatz aus Papier. Auch Erwachsene mit Tiernasen-Fetisch werden glücklich.

Cover-sooo-suess

Es ist gut, wenn sich Kinder früh für Zeitschriften begeistern. Schließlich fördert Lesen das Sprachgefühl und hilft beim Lernen der Rechtschreibung. Meistens zumindest. Sooo süss versagt dabei. Weil die Macher auf Versalien stehen, werden Wörter wie „groß“ oft als „gross“ geschrieben oder „süß“ als „süss“ – und das nicht nur riesengrossgroß auf dem Cover. Suboptimal.

Doch, Moment. Denkfehler. Welcher Roboter von einem Leser kommt bei dieser Kinderzeitschrift überhaupt bis zu den Buchstaben, wenn ihn überall putz- und pelzige Tierchen mit ihren Knopfaugen anblicken? Sagt das Bild einer Babyrobbe im Schnee nicht mehr als alle 31 Wörtchen auf derselben Seite? Wen interessiert der „Ri-Ra-Rechenspaß“ (Wie viele Herzen sind drei plus zwei?), wenn daneben Ente Tobi mit orangener Fliege durchs Magazin watschelt?

Bei Sooo süss sind die Tierbilder der inhaltliche Kern des Heftes. Sie stammen aus der Welt von „Hana Dekaund wurden per Weitwinkelobjektiv aufgenommen. Deshalb ist Sooo süss zumindest für Tiernasen-Fetischisten eine Offenbarung. Die Fotos sind durchweg nett inszeniert, wenngleich manche Motive abgedroschen wirken. Etwa das Kätzchen, das mit Wollknäulen spielt.   

Schönheitswahn bei Vierbeinern

So austauschbar viele Bilder sind, so systematisch werden sie abgedruckt. Selbst in diesem Print-Streichelzoo gibt es feste Rubriken. Auf den ersten Seiten wird das „Tier des Monats“ vorgestellt, was jetzt drei Monate lang – bis zum Erscheinen der nächsten Ausgabe – der Dackel ist. Zu denken gibt dabei, wie sehr selbst Vierbeiner auf ihren Körper achten müssen. Denn welche Chance auf ein Sooo-süss-Shooting haben Dackel, die mehr als das im Steckbrief angegebene „Idealgewicht“ auf die Waage bringen?

Weitere Rubriken heißen „So erziehst du“, „Lach dich schlapp mit den Tierbabys“ und „Teste dein Wissen“. Neben Tierporträts, einem Gewinnspiel, Rätseln und einer Leserbefragung gibt es noch das Märchen des Monats mit zwei alternativen Enden. Und schneller als Mama sagen kann „Nein, wir kaufen jetzt keinen Welpen“ sind die 36 Seiten durchgeschaut.

Eine Ferkelnase für den besten Freund

Wie andere Kinderzeitschriften setzt Sooo süss zusätzlich auf Extras. Die aktuelle Ausgabe hat gleich drei: ein Schreibset inklusive rosa Sticker-Roller, drei Tierposter und vier „putzige Postkarten“. So kann man seinen Freunden die Großaufnahme einer Ferkelnase schicken: „Ich bin dein Glücksbringer“ bedeutet das. Damit die Karte ankommt, wurden die Hinweise auf der Rückseite Umfeld-gerecht formuliert: „Briefmarke abschlecken!“

Auch an anderen Stellen passt die Sprache gut zur Zielgruppe, Kinder im Grundschulalter dürften die meisten Texte verstehen. Abgesehen von zwei Anzeigen für ähnliche Magazine („Tierbabys und „Tiere – Freunde fürs Leben„) ist das Heft werbefrei.  

Sooo süss – ein Fazit

Alles in allem ist Sooo süss ein zu dünnes, aber nettes Magazin. Eltern müssen sich keine Sorgen machen, dass ihre Kinder darin mit anstößigen Inhalten konfrontiert werden. Das Heft präsentiert eine heile Kuschelwelt. Der Gedanke, dass viele der vorgestellten Tiere eines Tages groß, fett oder hässlich werden, lässt sich beim Lesen erfolgreich unterdrücken.

Persönlich finde ich übrigens den Heftnamen sympathisch. Ohne auch nur eine Seite zu lesen, weiß der Käufer, welche Assoziationen er haben dürfte. Das nennt sich Transparenz. Wo bleibt das plumpe Tittenmagazin „Sooo geil“? Und die Tageszeitung „Sooo von gestern“?

Infos zum Heft

Sooo süss erscheint vierteljährlich im „Panini Verlag, der vor allem für seine Stickeralbenbekannt ist. Panini veröffentlicht unter anderem noch die Satirezeitschrift „Mad, die Kinderzeitschrift „Bob der Baumeister und verschiedene Comic-Serien.     

Nach Angaben des Verlags verkaufte sich Sooo süss im dritten Quartal 2010 32.184 Mal. Als Zielgruppe werden Mädchen zwischen sechs und zehn Jahren angegeben. Beschrieben wurde die fünfte Ausgabe vom Jahresbeginn 2011. Das Heft kostet 3,20 Euro und besteht aus 36 Seiten sowie mehreren Extras.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Kinderhefte, Tiermagazine

Eine Antwort zu “Entdeckt (4): Sooo süss – Neues aus der Kuschelwelt

  1. TheMadman

    Die Redakteure machen das selbe mit ß und ss, was ich auch tue: das ß einfach gar nicht benutzen. Die Rechtschreibreform hatte so ihre Schwächen, aber für mich ist das ß (sz) einfach obsolet geworden, ich hasse es regelrecht.
    Bin ich deswegen böse?

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