Eigenwerbung (1): Wach – Ein kleines Nachtmagazin (und die Chance, mal mein Heft zu verreißen)

Rollentausch: Anstatt über Magazine zu meckern, habe ich ausnahmsweise selbst eins gemacht – mit meiner Klasse an der Journalistenschule. „Wach“ erzählt Geschichten aus der Nacht. Und darf gern verrissen werden.

Coverwach_kopie

Ja, ich hätte „Wach“ einfach auf meinen Nachttisch legen können, ohne in diesem Blog ein Wort darüber zu verlieren. Doch das schien mir unmöglich. Erstens, weil ich keinen Nachttisch habe. Zweitens, weil es unfair wäre, zu verschweigen, dass ich jetzt selbst unter die Magazinmacher gegangen bin. Dafür habe ich bereits zu viel über Zeitschriften geschimpft und zumindest zwischen den Zeilen suggeriert, ich könnte das bestimmt viel besser. Dann, wenn ich vom aufmerksamen Leser zum hasserfüllten Kritiker mutierte.

Als Teil meiner Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule (DJS) saß ich nun also selbst in einer Chefredaktion – in der unseres Abschlussmagazins, neben meiner Klassenkameradin Sarah Schmidt. Zusammen tragen wir die Hauptverantwortung für Wach, ein monothematisches Heft über die Nacht, das in ähnlicher Form vielleicht auch am Kiosk liegen könnte. Wach wird zwar nicht verkauft, aber an die Sponsoren und Absolventen unserer Schule verschickt, die jedes Jahr drei solcher Magazine erhalten. Hier kann man das Heft komfortabel am Monitor durchblättern, den PDF-Download gibt es hier.

Wachnoir

„Über den Tag ist alles erzählt“

Weshalb meine Klasse ein Heft zum Thema Nacht gemacht hat? Weil es so etwas bisher fast noch nie gegeben hat. „Über den Tag ist alles erzählt. Willkommen in der Nacht“ lauten daher die ersten Worte des Editorials. Meine 14 Mitschüler und ich fanden, dass es an der Zeit ist, endlich mal Geschichten aus der aufregenderen Tageszeit zu erzählen: die von Heinrich Gudorf etwa, einem 80-jährigen Rentner, der eine Strichliste über seine Technopartys führt. Und die von Peter L., der im Morgengrauen mit seinem Gewehr auf die Jagd geht – auf dem Friedhof.

Außerdem gab es da noch ein paar Fragen, die wir immer mal beantwortet haben wollten: Was empfindet ein Pilot auf seinen Nachtflügen? Wie träumen blinde Menschen? Was lässt sich mit den Essensresten anfangen, wenn man morgens betrunken nach Hause kommt? Das und viel mehr steht in Wach: auf 76 Seiten, in drei Heft- beziehungsweise Nacht-Abschnitten namens „Eintauchen“, „Untergehen“ und „Auftauchen“.

Wachfotostrecke

Einladung zum Gegenangriff

Nun aber genug der Werbung. Dass ich das Heft als Chefredakteur gut finde („unverbrauchte Themen“, „schicke Optik“, „passender Sprachstil“, „coole Gastautoren wie Airen“, „zum Glück keine Verlegenheitsanführungszeichen“ und so), ist naheliegend. Gern möchte ich aber erfahren, wie unvoreingenommene Leser über Wach denken. Was ist am Magazin gelungen? Was nervt? Ist vielleicht das ganze Konzept dieses Nachthefts ermüdend?

In meiner Rolle als Kioskforscher will diesen Blogbeitrag natürlich auch als Einladung verstanden wissen: als Einladung zum Gegenangriff auf mich, den Heftkritiker. Liebe Coupé-, Maxim– oder Premius-Macher, nachdem ich mir eure Hefte vorgenommen habe, habt ihr jetzt die Chance, eins zu verreißen, für das ich mitverantwortlich bin. Wer austeilt, sollte nämlich auch einstecken können. 

 Natürlich freue ich mich aber auch über Feedback von Menschen, die nicht bei mir suspekten Zeitschriften arbeiten. Einfach unter diesem Beitrag kommentieren oder eine Twitter-Nachricht, eine E-Mail, einen Brief oder sonstwas schicken. Ich freue mich auch, wenn nur ein Satz drinsteht, etwa: „Ich denk‘ beim Heftnamen sofort an die Zeugen Jehovas.“ Soll ja vorkommen.

Wachjager

Mehr Wach im Web

Übrigens: Wem die Idee des Nachtmagazins gefällt, der sollte sich den Redaktionsblog des Projekts anschauen. Mit Making-ofs der Heftgeschichten und Redaktionsporträts lenkt dieses Blog ab sofort vom Warten auf eine weitere Wach-Ausgabe ab. Diese erscheint Ende März – ausschließlich online, in multimedialer Form. Und auch die Redaktionsstruktur wechselt: Bei Wach 2 darf ich statt Chef mal wieder Reporter spielen.

Infos zum Heft

Wach ist ein Magazin der Deutschen Journalistenschule (DJS). Es entstand zum Abschluss der Print-Ausbildung der Klasse 49B, die aus 15 Journalistenschülern besteht. Infos zu meinen Mitschülern gibt es hier.

Das Budget für das Heft betrug rund tausend Euro, die Produktionszeit fünf Wochen. Beraten und bisweilen praktisch unterstützt wurden wir von Jan Weiler („Maria, ihm schmeckt’s nicht“), dem Spiegel-Fotografen Wolfgang Maria Weber, dem Journalistentrainer Christian Bleher und der Layouterin Jennifer Kalisch. Beim Online-Auftritt hilft uns Maximilian Gaub.

Wach ist schon seit Juli fertig; dass das Heft erst jetzt zu Weihnachten gedruckt wurde, ist der DJS-Jahresplanung geschuldet. Die Auflage des Hefts liegt bei 3200 Exemplaren, es wird an Freunde und Förderer der Schule verschickt. Wach hat 76 Seiten.

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