Entdeckt (39): How to be a Playboy – Kauf dich cool

Auf den Spuren George Clooneys: „How to be a Playboy“ gibt Möchtegern-Playboys Tipps für alle Lebenslagen. Offen bleibt, wo das Geld für all die Uhren, Designmöbel und Youngtimer herkommen soll.

Nein, auf der Damentoilette verwohnter Kneipen wird man nicht zum Playboy. Jedenfalls nicht, wenn man dort für zwei Euro einen „Sex Gag“ aus dem Automaten zieht. Wie mir kürzlich eine angetrunkene Bekannte bewies, wird man so höchstens Besitzer von Darling, dem wohl kleinsten Erotikmagazin der Welt. Neben ein paar nackten Frauen enthält dieses Heft vor allem frivole Witze, teilweise als Cartoon. Geklärt wird etwa, warum Frauen vier Lippen haben: „2 zum Blödsinn quatschen und 2 zum wieder gutmachen“. Höhö. Das Lustigste am „Sex Gag“ namens Darling ist wohl, dass ausgerechnet Frauen ein dämliches Männermagazin bekommen.

Besseren Humor könnte die Playboy-Sonderausgabe How to be a Playboy bieten, die ich mir für eine Zugfahrt gekauft habe. Dieses Magazin ist zwar dreimal teurer als Darling und bietet weniger nackte Haut, dafür muss man es nicht auf dem Klo kaufen. „Ein junger Mann kauft Kondome in einem Supermarkt“, zitiert das Heft einen Witz, der sich zum Erzählen vor Freunden eignen soll. „Er bezahlt bei der Kassiererin, sie fragt ihn: ‚Wollen Sie eine Tüte dazu?‘ Daraufhin er: ‚Nein, danke so hässlich ist sie nun auch wieder nicht‘.“ Willkommen in der Welt der Playboys, der Gentlemen, der feinen Ironie. Oder zumindest im Heft mit George Clooney auf dem Titel.

Bescheiden wie Clooney beim Kaminbau

How to be a Playboy hat mir vor allem haptisch gefallen. Das Magazin erscheint im Bookazine-Format, als hochwertig wirkende Kreuzung von Buch und Magazin. „Die wichtigsten Stil- und Spielregeln für Gentlemen“ will es verraten und Schauspieler Clooney scheint sie am besten zu beherrschen. Dafür bekommt er ein Lob vom Playboy-Chef („Der moderne Mann vertraut seinen Stärken und seinen Schwächen. Im Idealfall ist er George Clooney.“) und steht als „Bester seiner Art“ im Fokus einer Charakteranalyse. Als Leser soll man von Clooney zum Beispiel lernen, ein guter Gastgeber zu sein und keine Spielchen zu spielen. Ebenfalls wichtig, erster Tipp: „Sei und bleib bescheiden.“ Wie gut das bei Clooney klappt, dokumentiert auch gleich das Zitat einer Ex-Freundin bei Tipp 5. Sie schwärmt von seinem Haus: „Acht Schlafzimmer, alle mit Kamin!“

Ins Kitschige ist das Heft bis zum Clooney-Text sowieso schon gedriftet. Als „Meister ihres Metiers“ zeigt es auf den ersten Seiten zehn Prominente wie Johnny Depp und Steve Jobs, mit lebensbejahenden Zitaten der Marke „Finde das, was du liebst. Und begnüge dich niemals mit Geringerem.“ Würde auch in eine Frauenzeitschrift passen. Nach der Promiparade wird es aber aufregender, das Heft teilt sich in vier Ressorts, die enthüllen, was ein Playboy „wissen“, „haben“, „können“ und „machen“ muss, mit siezender Leseransprache. Jedes Ressort hat eine schicke Startseite sowie eine passenden Schluss, der verrät, was bewusst nicht erwähnt wurde. So muss ein Playboy natürlich nicht wissen, „dass Lady Gaga zugenommen hat“. Unklar ist mir dagegen, warum er sich angeblich kein Passwort merken können muss. Weil er auch betrunken nur an „6969“ denkt? Weil er keine Mails schreibt, sondern Schecks?

„Und jetzt viel Glück“

Überwiegend machen die Tipps aber Sinn. Verraten wird unter anderem, wie man den One-Night-Stand wieder aus der Wohnung kriegt, wie man sich in einer Bar benimmt und was das perfekte Hemd auszeichnet. Dazu erfährt der Leser, wie er glaubwürdige Komplimente macht und in welche Youngtimer es sich zu investieren lohnt. Auf 132 Seiten beantwortet das Heft so nach und nach viele Frage, die man sich schon immer gestellt hat oder zumindest jetzt, wo man sie liest. Dass sich einige Ratschläge als Binsenweisheiten entpuppen, wunderte mich angesichts der schieren Masse kaum. „Teuer ist nicht gleich gut“, heißt es etwa zum Weinkauf. „[…] Denn der Geschmack allein entscheidet. Und zwar Ihr persönlicher.“ Gut zu wissen.

Ergänzt werden die Alltagstipps von Kaufempfehlungen: Wahre Playboys erkennt man offenbar auch am Materiellen. Motto: Kauf dich cool. Neben Uhren („für jede Preisklasse“ – von 89 bis 111.500 Euro) stellt das Heft beispielsweise Habanos-Zigarren („Nichtrauchen wäre trauriges Ignorantentum“) vor sowie Alkoholika fürs Cocktailmixen. Rezepte enthält letztere Doppelseite leider nicht, stattdessen wird wortkarg eine Flaschenauswahl präsentiert. Zum Thema „Banküberfall“ hätte man analog wohl einfach Maske, Pistole und Plastiktüte abgelichtet und geschrieben: „Das sollte man haben. Und jetzt viel Glück.“

Ein Hoch auf die Lufthansa

Inkonsequent fand ich die Fotostrecke der „legendären Klassiker des Wohndesigns“, in der Möbel mit Geschichte und Namen präsentiert werden. Dabei hieß es wenige Seiten vorher, ein Playboy müsse eben nicht wissen, wie seine Möbel heißen. Tipps fürs Einkaufen findet der Leser in How to be a Playboy jedenfalls genug. Offen bleibt leider nur, woher das Geld dafür kommen soll. Für die Karriereplanung reichen müssen Smalltalk-Themen für den Aufzug oder das Parfüm, das den Chef beeindruckt. Ansonsten kann man zumindest nachlesen, wie es ist, bei Lufthansa den Hon-Status haben: Ein Autor hat das in einem selbstlosen Selbstversuch einen Tag lang ausprobiert. Zusammenfassen lässt sich sein Artikel mit drei Zitaten: „Wer ihn hat, hat’s nicht gut. Er hat’s am besten“, „Es lohnt sich“ und „Ganz schön unkomfortabel, so ein Leben ohne Hon-Status“.

Immerhin überzeugt das Heft hinsichtlich der Stilformen. Tipps präsentiert es in Listen, als Teil einer 24-Stunden-Chronik, als Selbsttest und sogar als Diagramm, dazu kommen Interviews und Porträts. Eine abwechslungsreiche Mischung, wie ich sie mir öfter in Magazin wünschen würde. Kalt ließ mich nur eine weitere Textform, ein Brief, den ein Regisseur seinem 16-jährigen Sohn schreibt. Das Problem: Der Sohn ist augenscheinlich ausgedacht, entsprechend fiktiv dürften alle Fakten sein, wie „Dass du beim TSV Grünwald sogar Torschützenkönig bist, finde ich toll“. Irgendwie unbefriedigend. Anderseits fand ich es gut, dass Kinder überhaupt im Heft vorkommen, während zum Beispiel das Thema Gesundheit nur indirekt auftaucht. Spannend fände ich auch, ob sich ein Playboy für Politik interessiert? Wählt er und wenn ja, wen?

Witzig, ironisch, manchmal derb

Auffällig ist die Kleinteiligkeit der Ausgabe. How to be a Playboy liest sich kurzweilig, kein Fließtext ist länger als zwei Seiten. Steigt man quer ein, landet man meistens bei einem Wortwitz, einem Fetzen Ironie oder etwas Derbheit. Für den Sex mit der „Karrierefrau“ beispielsweise wird folgende Stellung empfohlen: „Von hinten. Sie muss den ganzen Tag den Chef geben. Da möchte sie privat auch mal dominiert und benutzt werden.“ Fällt wohl unter Männerfantasie. Manchmal fand ich das Heft wirklich lustig, etwa bei den Ratschlägen, wie man Affären in Zeiten von Facebook geheim hält. Einer lautet: „Wenn Sie online flirten wollen, ohne dass es eine Menschenseele mitbekommt: Google+.“

Das Layout von How to be a Playboy wirkt edel, optisch dominieren Schwarz, Weiß und Gold. Neben gelungenen Illustrationen lockern kleine Fotos die Seiten auf. Playmates in erotischer Pose zeigt lediglich ein Symbolbild, das den Artikel eines Philosophen ziert. Vielleicht soll es vom Text ablenken, denn dessen These ist zwar religionskritisch, aber langweilig: Es lohnt sich, im Jetzt zu leben. Ganz neue Erkenntnis. Dann doch lieber konkrete Tipps, wie auf der Delikatessenseite. Dort habe ich erfahren, dass es sich nicht lohnt, Austern zu probieren: „Konsistenz: Schleimig. Nichts für Männer.“

How to be a Playboy – ein Fazit

„Sie sind gelassen, witzig, kultiviert und cool – und die Bunnys liegen Ihnen zu Füßen.“ Stimmt zwar nicht, aber so klingt meine Auswertung des Tests auf der letzten Heftseite. Ich scheine die Lektionen von How to be a Playboy also verstanden zu haben. Spaß gemacht hat mir die Lektüre, dank origineller Stilformen und trotz der ganzen Produktempfehlungen. Für 6,90 Euro bietet das Heft einen lockeren Mix aus Lebenshilfe und Luxusträumen. Und nach ein, zwei Stunden Lesen hat man zumindest genug Ideen, was man kaufen könnte, wäre man reich wie George Clooney.

Ach ja, bevor noch ein Zeitschriftensammler wegen Darling auf die Frauentoilette schleicht: Theoretisch gibt es das Mini-Magazin auch auf dem Männerklo. Man sollte nur wissen, dass auch andere Dinge aus dem Automaten kommen können, etwa eine Feuerzeughülle. Die ist geschlechtsneutral, mit abstehendem Penis und Brüsten. Ebenfalls ein Riesengag.



Infos zum Heft

How to be a Playboy erscheint jährlich als Sonderausgabe des Männermagazins Playboy, das der Medienkonzern Hubert Burda Media veröffentlicht. Zu Burda gehören unter anderem auch Focus und Cinema. Weitere Playboy-Sonderausgaben sind Playboy Cars und Playboy Stars.

Laut den Mediadaten des Verlags erscheint How to be a Playboy in einer Druckauflage von 80.000 Exemplaren. Erhältlich sein soll es im „ausgewählten Einzelhandel“. Ich habe das Heft am Münchner Bahnhofskiosk gekauft, es aber auch schon im Supermarkt gesehen.

Beschrieben wurde die Ausgabe 2 aus dem Winter 2012/2013. Sie hat 132 Seiten und kostet 6,90 Euro.

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