Magazinmarkt

(Achtung: zuletzt aktualisiert im März 2015)
Wer einmal lang genug durch die Bahnhofsbuchhandlung gestreift ist, kennt die Ausmaße des deutschen Zeitschriftenmarkts. Bunte Blätter, soviel die Regale fassen. Das Angebot reicht vom Schmuddelheft bis zur Deutschen Briefmarken-Revue.

Die ersten Zeitschriften gab es in Deutschland ab Ende des 16. Jahrhundert, als Nachfolger der sogenannten Flugschriften. Im 19. Jahrhundert entstand schließlich die Massenpresse.

Wie viele Titel hierzulande heutzutage erhältlich sind, lässt sich kaum feststellen. Presseforscher Andreas Vogel ist im ersten Quartal 2014 auf 1583 Publikumszeitschriften gekommen, die mindestens vier Mal jährlich erschienen. Als Publikumszeitschriften bezeichnet Vogel Hefte, die man kaufen kann und die auf „nichtberufliche Lebenswelten“ ausgerichtet sind, also zum Beispiel Sport-, Mode- und Klatschzeitschriften. 137 dieser Hefte erscheinen alle zwei Wochen oder häufiger.

Diese Gesamtzahl der Publikumszeitschriften ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, 2002 zählte Vogel nur 1126 Hefte. Er bemerkt jedoch: „Neue Zeitschriften erscheinen fast ausschließlich im Segment der seltener als 14-täglichen Titel, die Zahl der häufiger herausgegebenen Titel ist seit Jahren nahezu konstant.“ Rätsel-, Comic- und Romanhefte zählt Vogel in seiner Statistik übrigens nicht mit, ebenso reine Anleitungshefte, etwa zum Basteln. Auch Einmalveröffentlichungen bleiben außen vor.

Die Auflagen sinken

Während es immer Titel gibt, werden alles in allem von Jahr zu Jahr etwas weniger Zeitschriften verkauft. Der Großteil der bekannteren Hefte verliert an Auflage. Das Portal Meedia macht das anhand einer 5-Jahres-Bilanz deutlich, in der es die Auflagenzahlen von 442 Publikumszeitschriften im vierten Quartal 2009 und im vierten Quartal 2014 vergleicht. Das Ergebnis: Nur 48 Magazine steigerten ihre Auflage, 394 verloren Käufer. Computer Bild zum Beispiel verkaufte 2014 nur noch halb so viele Hefte wie 2009, die Bravo kommt auf auf ein Minus von 77 Prozent.

Die Auflagen der meisten großen Magazine lassen sich auf der Website der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) einsehen, dort waren Anfang 2014 538 Titel gemeldet. Interessant ist hierbei vor allem die verkaufte Auflage, weniger die Druckauflage.

Ende 2014 waren die fünf meistverkauften Publikumszeitschriften Fernsehzeitschriften, auf Platz 6 folgt mit pro Ausgabe rund einer Million verkauften Exemplaren das Freizeitheft Landlust. Der Spiegel, der im Gegensatz zur zweimonatlichen Landlust jede Woche erscheint, liegt hinter zwei weiteren Fernsehzeitschriften auf Platz 9, mit 843.000 verkauften Exemplaren. Die größten Marktanteile im Bereich der Publikumszeitschriften haben nach den Berechnungen von Presseforscher Vogel die Verlage Bauer, Burda, Funke und Gruner & Jahr. Der Zeitschriftenmarkt gilt als dynamisch: Immer wieder kommen neue Titel auf den Markt und alte verschwinden.

Es gibt mehr als die Publikumszeitschriften

Neben den Publikumszeitschriften gibt es weitere Zeitschriftenarten, etwa Fachmagazine, die der „beruflichen Information und Fortbildung“ dienen. In diese Kategorie fallen zum Beispiel Hefte für Busfahrer, Programmierer und Ärzte. Die genaue Heftzahl in diesem Bereich ist nicht bekannt, 2011 ging Andreas Vogel von knapp 3700 Fachzeitschriften aus. Schaut man sich auf dem Portal Fachzeitung.de um, scheint diese Größenordnung weiter realistisch.

Ein großer Bereich abseits des Kiosks ist die Mitgliedschaftspresse. Damit gemeint sind Hefte, die an Mitglieder bestimmter Verbände verschickt werden, wie das Magazin ADAC Motorwelt oder das Heft Bestattungskultur. Danaben gibt es Kundenzeitschriften wie Laviva von Rewe oder das BMW Magazin, die häufig direkt bei den Händlern ausliegen. Zuletzt gibt es die sogenannte Bekenntnispresse, zu der Kirchen- und Parteizeitschriften gehören. Diese Hefte sollen eine gewisse Weltanschauung transportieren.

Im Fokus der Medienberichterstattung stehen derzeit häufig sogenannte Independent-Magazine. Damit und mit dem verkürzten Begriff Indies sind Zeitschriften gemeint, die keinen Großverlag im Rücken haben. Bekannte Beispiele für solche Hefte sind das Gesellschaftsmagazin Dummy und das Wirtschaftsmagazin Brand Eins. Einen Einblick in den Bereich Indie-Magazine bietet das Blog Indiemags. Als die Indiemags-Macher für eine Studie 102 passende Titel untersuchten, kamen sie zum Ergebnis, dass das durchschnittliche Independent-Heft aus einer Metropole wie Berlin oder Hamburg kommt und in den vergangenen fünf Jahren gegründet wurde. Viermal jährlich erscheint es in einer Auflage von durchschnittlich 13.000 Exemplaren.

Lesetipp: Für die Journalismuszeitschrift Message habe ich 2013 über Independent-Magazine geschrieben, 2014 habe ich zudem die Hamburger Konferenz Indiecon besucht.

 

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